Geschichte

obmann_reisch_bigMARTIN REISCH war der treibende Motor bei der Gründung der Brauereigenossenschaft Frastanz am 22. Juli 1902 bei der er auch zum ersten Obmann gewählt wurde. Der Frastanzer Sonnenwirt war ein umtriebiger Mann. In seiner Jugend war er gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich und Stefan nach Uruguay ausgewandert, nach kurzer Zeit aber wieder nach Frastanz zurückgekehrt. 1872 suchte er um die Wirtskonzession an. In einem Anbau betrieb er – wie es damals nicht unüblich war – für einige Zeit auch eine Stickerei. Martin Reisch war langjähriger Vorsteher von Frastanz, Landtagsabgeordneter und kümmerte sich neun Jahre lang als Obmann um die Geschicke der Brauereigenossenschaft.  

1. biersud 1903DIE GEBURTSSTUNDE
Kleine Brauereien waren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nicht mehr rentabel, wenige Große diktierten die Preise. Die Oberländer Wirte hatten aber nicht vor zu kapitulieren. Nach mehreren Versammlungen nahmen sie sich deshalb ein Beispiel an bereits mit Erfolg agierenden Produktionsverbänden und beschlossen, sich selbst zu helfen. Auf der Suche nach einem Standort für eine gemeinsam betriebene Brauerei kamen sie wegen der verkehrstechnisch guten Lage, dem niedrigen Grundstückspreis, aber auch wegen des hervorragenden „Quellwassers aus dem Drei-Schwestern Gebiet“ auf Frastanz. Die insgesamt 35 Gründungsmitglieder schafften es, 140.000 Kronen „lockerzumachen“. So wurde bereits im Frühjahr mit dem Bau des Firmengebäudes begonnen und am 22, Juli 1902 die endgültige Gründungsversammlung abgehalten. Am 9. Dezember desselben Jahres wurde die ordnungsgemäße Registrierung der Genossenschaft m.b.H. veröffentlicht.

ansichtIM WANDEL DER JAHRE
Seit 1903 steht der alte Trakt des Firmengebäudes unter Denkmalschutz. Mit dem Bau begann das Feldkircher Bauunternehmen Christian Zangerle im Frühjahr 1902, ein Jahr später konnte der erste Braumeister Franz Wetzel bereits an die Arbeit gehen. Die Pläne für das stattliche Gebäude lieferte der Ulmer Ingenieur Hägele. Im Laufe der letzten hundert Jahre musste aber mehrfach zugebaut werden. Bereits 1913 wurde eine Flaschenfüllerei angebaut, 1927 der Gärkeller vergrößert und ein neuer Lagerkeller mit Aluminiumtanks angelegt. 1956 wurde ein leistungsfähiges Sudhaus errichtet, 1970 folgte ein eigenes Verwaltungsgebäude. Im Jahre 1978 entstand eine Lagerhalle, ein neues Heizhaus 1990.

obmann_gallaunDIE OBMÄNNER
Recht unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Problemen hatten sich die Obmänner im Laufe der 100jährigen Geschichte der Brauereigenossenschaft Frastanz zu stellen. Eines aber war ihnen allen gemeinsam. Sie betrachteten ihr Amt nicht nur als Job, sondern setzten sich mit viel Engagement und Begeisterung für eine positive Entwicklung des Unternehmens ein. Nur ansatzweise kann deshalb auf die großen Verdienste eingegangen werden, die jeder Einzelne von ihnen erbrachte. Neben „Gründungsobmann“ Martin Reisch und dem seit Juni 2010 „amtierenden“ Obmann Lothar Gallaun finden sich sieben weitere fähige Männer in der „Ahnengalerie“ der Brauereigenossenschaft.

KfuhrparkINDERKRANKHEITEN
Obwohl das erste Frastanzer Bier an den Gasthaustischen großen Anklang fand, fehlte es in den Anfangsjahren an allen Ecken und Enden an Kapital. Potentielle Genossenschafter schreckte aber der hohe Anteilspreis von 1000 Kronen ab. 1902 hielten die vier Hauptzeichner – der Feldkircher Schäflewirt Anton Weinzierl, der Frastanzer Kronenwirt Josef Gstach sowie Johann Josef Reisch und Wilhelm Altenöder – fast die Hälfte aller Anteile. Aus heutiger Sicht liegt deshalb der Verdacht nahe, dass die Gründungsmitglieder sich mit dem hohen Anteilspreis als getarnte Aktionäre das „große Geschäft“ sichern wollten. Nachdem aber die Erträge nicht den Erwartungen entsprachen, sondern im Gegenteil Investitionen nötig waren, besann man sich 1911 auf das Genossenschaftsprinzip und senkte den Anteilspreis auf 100 Kronen und gewann so neue Teilhaber. 1930 hatte die Genossenschaft bereits 113, zwanzig Jahre später 148 Mitglieder. Heute besitzen 104 Mitglieder (Vorarlberger Wirte) Anteile an der Brauerei Frastanz.

Apferdegespann_bigUFSCHWUNG NACH SCHWEREN ZEITEN
Bis 1949 gehörten auch Pferde zur „Belegschaft“ der Brauerei Frastanz, doch bereits 1908 wurde zum Transport der schweren Eichenfässer ein LKW angeschafft. Der robuste Saurer-Laster hatte eine Eisenbereifung. Die vielen Hufeisennägel, welche damals die Wege zierten, konnten ihm so nichts anhaben. Probleme hatte der Fahrer Andreas Schatzmann aus Altenstadt weniger mit dem 40 PS starken Automobil, als vielmehr mit scheuenden Pferden und wütenden Fuhrleuten. Auch mussten die damaligen Chauffeure wetterfest sein, waren sie doch nur durch ein Verdeck geschützt. Wegen des Treibstoffmangels mussten während und nach dem 1. Weltkrieg wieder vermehrt Pferdefuhrwerke eingesetzt werden.lkw_oeaf_bigDie beiden Weltkriege setzten dem aufstrebenden Unternehmen, welches 1913 immerhin bereits 11.000 Hektoliter Bier erzeugte, gewaltig zu. So wurden etwa die beiden Lastwagen in den Kriegsdienst eingezogen. Auch die Rohstoffversorgung kam ins Stocken, sodass man sich notgedrungen mit Mais, Reis, Zuckerrüben und anderen Fremdstoffen behalf. 1945 musste das Unternehmen fast von Null neu aufgebaut werden. Doch danach war der Aufstieg der Brauereigenossenschaft Frastanz nicht mehr aufzuhalten. Fortlaufendes Investieren in den neuesten Stand der Technik machte sich bezahlt. Heute verbirgt sich hinter der „altertümlichen“ Fassade ein gesundes, modernes Unternehmen, dessen hochwertige Produkte von Bierliebhabern im ganzen Ländle sehr geschätzt werden.

3_schwestern_bigDIE DREI SCHWESTERN
Alte Sagen erzählen vom „Goldwässerle“, welches in den Felsen oberhalb von Frastanz entsprang. Hüter dieses Schatzes war das „Venedigermännlein“, welches sich eines Sonntags darüber ärgerte, dass drei Mädchen aus Frastanz Erdbeeren pflückten, anstatt in der Kirche zu beten. Da die Schwestern auf die Frage, was sie da trieben, antworteten „Nichts“!, soll das Venedigermännlein verfügt haben: „So sollt ihr auch nichts anderes werden als drei Schröfen, dass ich mein Goldwässerle darunter verstecken kann.“ Gold wird zwar aus den Quellen der „Drei Schwestern“ keines mehr geschöpft, dafür aber gutes Frastanzer Bier gebraut.